Ich hatte gerade mein Booklet THE DIGITAL JOURNEYMAN drucken lassen. Nach einer (wie immer sagenhaften) Apigee I LoveAPIs Conference fanden wir uns in einer wunderschönen Bar am East River in New York wieder und ich trank (wie passend) meine ersten Manhattans überhaupt.

Das Setting war perfekt – und da hatte ich eine Begegnung. Irgendwann begegneten Chet Kapoor (CEO von Apigee zu dieser Zeit) und ich uns. Er fragte mich, soweit ich mich heute erinnere, wie es mir dort gefiel - und wie es mir gehe. Daran ist eigentlich nichts Ungewöhnliches oder Bemerkenswertes – jedoch – das war es! Er konnte es auf eine Art, in der ich den Eindruck hatte, für diese vielleicht dreissig Sekunden der wichtigste Mensch der Welt zu sein. Das ist mir bis heute geblieben.

Lieber Chet – das ist keine Bauchpinselei. Ich habe es so empfunden. Vielleicht war Dir gar nicht bewusst, was Du da bewirkt hast. Bei mir ist es geblieben :)

Eine andere Begegnung aus meiner Swisscom-Zeit ist mir ebenso geblieben: die mit dem damaligen CEO Carsten Schloter († 2013) in der Genfer-Gasse in Bern. Es wurden gerade Vorbereitungen für ein Event für neue Mitarbeiter getroffen. Er hatte eine unglaubliche Präsenz - war aber einer von vielen. Er war frei von Allüren und wir haben kurz rumgescherzt.

Aber hier geht’s nicht um name dropping.

Ich erinnere mich auch an die Kaffeeküchen zahlreicher Start-Ups, in denen man niemals den Eindruck hatte, dass ein Gespräch (worum auch immer) als vergeudete Arbeitszeit angesehen wurde. In diesen Kaffeeküchen fragte niemand, ob das gerade Arbeit war oder Pause. Vielleicht entstand dort in dreissig Minuten etwas, das am Schreibtisch den ganzen Tag nicht entstanden wäre. Und ja – vielleicht war es auch einfach nur ein nettes Gespräch.

Ich erinnere mich an den Postmann im Erdgeschoss des Swisscom Towers, mit dem ich oft geplaudert und einen schnellen Kaffee getrunken habe. Wir haben in zwei Welten, acht Stockwerke voneinander getrennt gearbeitet und hatten in diesem Moment so viel gemeinsam.

Das Menschenbild

Für mich ist unser Menschenbild das, was wir anderen Menschen grundsätzlich unterstellen – oft schon, bevor wir sie kennen. Es prägt, was wir ihnen zutrauen, wie wir ihnen begegnen und welche Bedingungen wir für sie schaffen.

Welches Menschenbild haben Führungskräfte wie Chet Kapoor und Carsten Schloter?

Lasst mich mutmaßen:

Vielleicht irre ich mich. Aber ich glaube, solche Menschen SIND mit anderen auf Augenhöhe. Wirklich. Unverstellt. Unmittelbar. Und für einen Moment ist da kein CEO, kein Berater, keine Rolle. Da sind einfach zwei Menschen.

Warum heisst dieser Artikel dann nicht einfach „Augenhöhe“? Weil ich glaube, dass dort etwas sichtbar wird, das tiefer liegt: unser Menschenbild.

Und bevor das hier zu schön wird: Manchmal erwische ich mich selbst dabei, wie ich mich über andere erhebe. Ich kann es nicht leiden an mir. Aber es passiert. In solchen Momenten bin ich von dieser Augenhöhe weit entfernt.

Was passiert, wenn ich aus dieser Haltung heraus führe? Wenn meine Vorstellung davon, was andere können, wollen und verdienen, darüber entscheidet, wie viel Vertrauen sie bekommen? Welche Freiheiten sie haben? Was sie dürfen – und wofür sie mich um Erlaubnis fragen müssen?

Dann bleibt mein Menschenbild nicht meine Privatsache. Dann wird es zum Alltag anderer Menschen.

Wie viel Führung Menschen brauchen, ist unterschiedlich. Aber wie viel Würde und Respekt sie verdienen, nicht. Grundsätzliche Wertschätzung sollte bedingungslos sein. Und auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Bedingungslos meint hier bedingungslos.

/hugs/kay

Wie dieser Artikel entstanden ist:

Das Thema habe ich mit ChatGPT auf meiner BMW F900XR zwischen Bern und Zürich diskutiert.

Memo aus dem Gespräch: ChatGPT

Artikel: von mir geschrieben, gemeinsam mit ChatGPT überarbeitet

Zeitaufwand: rund 6 Stunden