Mein langjähriger Freund Sven und ich haben unglaublich viel zusammen gekocht. Essen, Kochevents, Küchen voller Gäste. Steck uns in die engste Küche, und irgendwie stehen wir uns nie im Weg. Braucht einer ein Küchenwerkzeug, hält der andere es bereits hin. Wir kochen, reichen uns Sachen, machen einander Platz. Und haben Spass. Selbst unter massivem Zeitdruck wird das spielerisch und leicht.
Ähnliches habe ich in einem Gartenteam erlebt. Vier Leute: einer auf dem Aufsitzmäher, zwei an den Trimmern, einer am Motorbläser. Die Geräte sind so laut, dass wir uns nicht unterhalten können. Auf dem Gelände sehen wir einander die meiste Zeit auch nicht. Und irgendwie werden wir genau gleichzeitig fertig. Alles erledigt. Das Material wieder im Wagen. Die Liegenschaft sieht verdammt gut aus.
Wie geht das?
Wir passen uns ständig aneinander an, ohne ein Wort, bis die gemeinsame Arbeit erledigt ist. Durch das gemeinsame Arbeiten haben wir ein Gespür entwickelt, auf das wir reagieren können. Für das Timing. Dafür, was die Arbeit braucht. Was die anderen brauchen. Wir nutzen mehr von unseren Sinnen, als auf einer Meetingagenda Platz haben.
Ich finde das aussergewöhnlich. Besonders, weil man nicht einfach die erfahrenste Person auswählen, ihr die Führung übertragen und erwarten kann, dass dieses Zusammenspiel entsteht.
Ein Drei-Sterne-Koch findet vielleicht nie in diesen Rhythmus. Dein bester Gärtner ist vielleicht ein brillanter Einzelkämpfer. Jemand, den Du kaum wahrgenommen hast, entpuppt sich womöglich als der Mensch, mit dem alle besser arbeiten.
All das findest Du erst heraus, wenn Menschen wirklich zusammenarbeiten.
Und ich frage mich, wie viel uns entgeht, wenn wir Menschen einzeln beurteilen. Ihre Fähigkeiten. Ihre Erfahrung. Ihre individuelle Leistung. Alles wissenswert. Aber da ist auch das, was zwischen ihnen entsteht.
Wer hilft wem, seinen Platz zu finden? Wer macht Raum? Wer spürt, wann er eingreifen und wann er jemanden einfach machen lassen sollte? Welche Menschen können gemeinsam etwas, das keiner von ihnen allein zustande bringt?
Auch das sollte zu unserem Verständnis von menschlichem Potenzial gehören.
Gebt Menschen Zeit. Schaut hin. Seht, was sich entwickelt. Findet heraus, in welchen Kombinationen etwas lebendig wird.
Sven und ich hatten vierundvierzig Jahre, das zu lernen. Ein eingespieltes Team entwickelt sein eigenes Verständnis. Es wäre schade, all das mit „Die haben ihre Aufgaben gut verteilt“ zu verwechseln.
Und jetzt entschuldigt mich bitte. Sven hat den Schneebesen.
